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Krankheitsbilder

Pflegegrad bei Multipler Sklerose beantragen

Der Antrag ist ein Anruf bei der Pflegekasse. Bei Multipler Sklerose ist die größte Hürde, dass ein einzelner Termin einen wechselhaften Verlauf abbilden soll.

Was MS für die Begutachtung besonders macht

Zwischen den Schüben kann es gut gehen. Fällt der Termin in eine solche Zeit, sieht der Gutachter wenig - obwohl der Alltag über das Jahr gerechnet anders aussieht.

Dazu kommt die Erschöpfung, die von außen unsichtbar bleibt. Sie ist kein Müdesein, sondern der Grund, warum nach dem Duschen nichts mehr geht. Wer sie nicht schildert, bekommt dafür keine Punkte.

Auf welche der sechs Module es hier ankommt

Die Begutachtung bewertet sechs Bereiche und gewichtet sie unterschiedlich: Selbstversorgung 40 Prozent, Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen 20 Prozent, Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte 15 Prozent, kognitive und kommunikative Fähigkeiten zusammen mit Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen 15 Prozent, Mobilität 10 Prozent (§ 15 Abs. 2 SGB XI).

Je nach Verlauf liegen die Punkte in Mobilität, Selbstversorgung und in der Gestaltung des Alltags. Beschreiben Sie, was nach einer Anstrengung nicht mehr geht, nicht nur, was im besten Moment möglich ist.

Welcher Pflegegrad infrage kommt und was er bedeutet

Aus den gewichteten Punkten ergibt sich der Pflegegrad: ab 12,5 bis unter 27 Punkten Pflegegrad 1, ab 27 Pflegegrad 2, ab 47,5 Pflegegrad 3, ab 70 Pflegegrad 4, ab 90 bis 100 Punkten Pflegegrad 5 (§ 15 Abs. 3 SGB XI).

Welche Leistungen an welchem Grad hängen, steht kostenfrei unter Leistungen. Eine Einschätzung, welcher Grad in Ihrem Fall herauskommt, geben wir nicht - das entscheidet die Pflegekasse nach der Begutachtung.

Die Anträge, die zuerst dran sind

Alle Musterbriefe sind kostenfrei, auch die hier nicht genannten. Den vollständigen Katalog finden Sie unter Anträge.

Der häufigste Fehler bei MS

Der häufigste Fehler ist, die Erschöpfung wegzulassen, weil sie sich schwer beschreiben lässt. Schildern Sie sie in Handlungen: wie viele Pausen ein Einkauf braucht, wie oft ein Termin abgesagt werden musste, was nach dem Duschen noch geht.

Der zweite Fehler ist, den Termin auf einen guten Tag zu legen. Notizen über mehrere Wochen zeigen den Durchschnitt, ein guter Tag nicht.

Was in den ersten 14 Tagen zu tun ist

  1. 1 Bei der Pflegekasse anrufen und den Antrag stellen.
  2. 2 Mit dem Pflegetagebuch beginnen und dabei auch die Erschöpfung festhalten.
  3. 3 Arztberichte der letzten zwölf Monate und den Medikationsplan heraussuchen.
  4. 4 Beim Versorgungsamt den Schwerbehindertenausweis prüfen.

Führen Sie ein Pflegetagebuch

Der Gutachter sieht einen Vormittag. Das Tagebuch zeigt den Alltag. Nachts, an schlechten Tagen und bei auffälligem Verhalten sieht es anders aus als im Termin - und nur das Aufgeschriebene liegt später vor.

Was Sie notieren sollten

  • Wie viele Pausen alltägliche Wege und Tätigkeiten brauchen.
  • Was nach einer Anstrengung nicht mehr geht und wie lange das anhält.
  • Wie oft Hilfe beim Waschen, Anziehen oder auf der Toilette nötig war.
  • Tage mit Schub oder deutlicher Verschlechterung, mit Datum.
  • Ob Sehen, Greifen oder Sprechen zeitweise eingeschränkt waren.

Am besten über vier Wochen statt über zwei. Bei einem wechselhaften Verlauf zeigen zwei Wochen unter Umständen nur eine gute Phase.

Zwei Wege, beide gangbar

Papier und Stift genügen. Ein Blatt je Tag, eine Zeile je Hilfe, mit Uhrzeit - mehr verlangt niemand, und ein handschriftliches Heft zählt bei der Begutachtung genauso wie ein gedrucktes.

Wenn Sie lieber klicken als schreiben, führt Sie unser Pflegetagebuch durch dieselben sechs Bereiche, nach denen eingestuft wird, und fasst am Ende alles auf einer Seite zusammen. Das Erfassen ist kostenfrei; für den Ausdruck ohne Vorschau-Vermerk brauchen Sie CareNavi Plus.

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Wer sich damit auskennt

Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V. (DMSG)

Bundesverband mit Landesverbänden vor Ort. Es gibt eine kostenfreie Telefonnummer, über die Sie mit Mitarbeitenden der DMSG sprechen, dazu Austauschangebote für Betroffene und Angehörige.

Telefon: 0800 52 52 022

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Für weitere Tipps rund um Multipler Sklerose

Auf unserer Tipps-Seite steht, was oft liegen bleibt. Zum Beispiel:

  • Der Anruf zählt, nicht das ausgefüllte Formular
  • Bewertet wird der Alltag, nicht die Diagnose
  • Hausnotruf: 25,50 € im Monat übernimmt die Pflegekasse
Alle Tipps ansehen

Woher diese Angaben stammen

Verfasst von:
CareNavi-Redaktion
Zuletzt geprüft am:
19.08.2026

Quellen

  1. Gewichtung der sechs Module: Selbstversorgung 40 %, Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen 20 %, Gestaltung des Alltagslebens 15 %, kognitive und kommunikative Fähigkeiten zusammen mit Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen 15 %, Mobilität 10 %. Den Modulen 2 und 3 ist dabei ein gemeinsamer gewichteter Punkt zuzuordnen, der aus den höchsten gewichteten Punkten entweder des Moduls 2 oder des Moduls 3 besteht - die beiden werden also nicht addiert.

    § 15 Abs. 2 SGB XI - Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit - abgerufen am 18.08.2026

  2. Punktegrenzen: ab 12,5 bis unter 27 Pflegegrad 1, ab 27 bis unter 47,5 Pflegegrad 2, ab 47,5 bis unter 70 Pflegegrad 3, ab 70 bis unter 90 Pflegegrad 4, ab 90 bis 100 Pflegegrad 5.

    § 15 Abs. 3 SGB XI - Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit - abgerufen am 18.08.2026

  3. Vollstaendiger Name, Landesverbaende und die kostenfreie Telefonnummer der DMSG.

    Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V. - Startseite - abgerufen am 19.08.2026

Diese Seite gibt einen Überblick und hilft bei der Vorbereitung. Sie ist keine Pflegeberatung und keine Rechtsauskunft, und sie sagt nichts über Ihren Einzelfall. Wer eine verbindliche Auskunft braucht, wendet sich an die Pflegekasse oder an einen Pflegestützpunkt.